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ALPGOLD Herbst 2019

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REPORTAGE Könige der

REPORTAGE Könige der Lüfte 25 Jahre Steinadlerprojekt »Die wollen doch nur beweisen, dass WIR die größten Störenfriede sind ... !«. Mit diesen Worten wurde von Seiten vieler Gleitschirmund Drachenflieger die Initiative der Projektleiter kurz nach Start des Stein-adlerprojekts im Jahr 1994 kommentiert. Auch viele Naturschützer bewerteten den Vorstoß damals als »völlig kontraproduktiv« und lehnten ihn ab. Aber worum ging es eigentlich? Die Allianz Umweltstiftung sowie die Projektbearbeiter wollten beweisen, dass man im Natur- und Artenschutz durch Kooperation, Transparenz und die Überwindung von Vorurteilen langfristig mehr erreichen könne, als mit dem damals üblichen Prinzip des »KäseglockenArtenschutzes« – was so viel bedeutete wie: »Nichts verraten ist der beste Schutz für bedrohte Tierarten«. Freilich, Luftsportler können das Brutgeschäft der Steinadler stören. Doch passierte dies in der Regel unbewusst und unbeabsichtigt. Denn woher sollten die Betroffenen wissen, wo sie stören und wo nicht? Und was genau eine Störung ausmacht und welche Folgen sie hat? Genau diese unbeantworteten Fragen waren Ausgangspunkt für die neue Philosophie »Kooperation statt Konfrontation«. Auch der Naturschutz musste einen großen Sprung über seinen eigenen Schatten machen. Denn schlussendlich bedeutete diese neue Strategie die Bekanntgabe von Horstbereichen der Steinadler. Hochsensible Daten, der wohlbehütete »Heilige Gral« aller Greifvogelschützer sollte »Fachfremden« zugänglich gemacht werden? Ein Unding! Oder? Vor diesem Hintergrund kann man es schon fast als mutig bezeichnen, dass sich damals einige Berchtesgadener Gleitschirm- 14

piloten bereit erklärten, diese »revolutionäre« Idee gemeinsam mit der Nationalparkverwaltung weiter zu verfolgen. Allen Unkenrufen zum Trotz: Das Projekt lief gut an und nahm zügig Fahrt auf. Innerhalb weniger Jahre bauten beide Seiten gegenseitiges Vertrauen auf und zeigten, dass durch den »Berchtesgadener Weg« ein effektiver Schutz der heimischen Steinadler möglich war – auch ohne dabei absichtliche Störungen in den nun bekannten Horstbereichen zu provozieren! Schon während des »Artenhilfsprogramms Steinadler« des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) von 1998 bis 2008 war diese Art der Zusammenarbeit von »Schützern und Nutzern« die gängige Methode, um Störungen im Horstbereich des Steinadlers zu vermeiden. Auch alle in Bayern tätigen Hubschrauberverbände sowie die Bundeswehr saßen inzwischen mit im Boot und verpflichteten sich sogar per Vertrag mit dem Umweltministerium zur Einhaltung von großzügigen Sicherheitsabständen (mindestens 1 000 Meter) zu besetzten Steinadler Horsten. Für Gleitschirm- und Drachenflieger konnten die Projektbearbeiter einen ausreichenden Abstand von 500 Metern identifizieren. Der Unterschied in den Sicherheitsabständen resultiert dabei aus simplen Parametern wie Lautstärke, Größe und Geschwindigkeit. Ausgenommen von dieser Vereinbarung, die alljährlich im Zeitraum von 15. Februar bis 30. Juni gilt, waren stets alle Flugbewegungen von Rettungshubschraubern im Einsatz. Entscheidend für die zügigen Fortschritte bei Gleitschirm- und Hängegleiterpiloten hinsichtlich Akzeptanz und Erfolg auf Basis sozialer Selbstkontrolle war die Unterstützung des Projekts durch den Deutschen Hängegleiterverband (DHV). Bis zum heutigen Tag wurde das Thema »Naturschutz« allgemein und »Steinadler« im Speziellen bei Fluglehrern und Piloten nicht nur »salonfähig«, sondern zwischenzeitlich sogar zum prüfungsrelevanten Inhalt im Rahmen der Ausbildung. Ein großer Schritt für effektiven Steinadlerschutz! Die Zusammenarbeit beschränkte sich jedoch nicht nur auf Berchtesgaden, sondern verfolgte – entsprechend des Projekttitels – Aussagen zu Schutzstrategien für den gesamten Alpenraum. Bis zum Jahr 2000 war es den Mitarbeitern der Nationalparkverwaltung gelungen, die über verifizierte Habitatmodelle ab geleiteten Mindestansprüche des Steinadlers an seinen Lebensraum von Berchtesgaden zu nächst auf Bayern und später auf den gesamten Alpenraum zu übertragen. Die Ergebnisse wur den durch Daten aus anderen Bereichen des Alpenraums überprüft und als »Leitfaden« im Forschungsbericht Nr. 45 (»Der Leitfaden zum Schutz des Steinadlers in den Alpen«) der Natio nalparkverwaltung zusammengefasst. Angewiesen auf Zuwanderung? Zu Beginn des Projekts wurde der Bruterfolg »bayerischer« Steinadler mit 0,18 flüggen Jung vögeln pro Paar und Jahr angegeben. Dies war für einen eigenständigen Erhalt der baye rischen Teilpopulation sicherlich zu wenig. Das lückenlose Monitoring durch die Nationalpark verwaltung sowie die konsequente Einhaltung der Schutzzonen rund um besetzte Adlerhors te in der Brutzeit haben stark dazu beigetragen, dass sich der langjährige (mittlere) Bruterfolg östlich des Inns mittlerweile auf einen stabilen Wert von 0,3 eingependelt hat. Zum Vergleich: In optimalen Lebensräumen der Zentralalpen liegt dieser Wert zwischen 0,5 bis 0,65. Für eine »autarke« Sicherung des regionalen Steinadler bestands rund um Berchtesgaden könnte die aktuelle Reproduktion nach wie vor zu gering sein. Andererseits entspricht der Wert aber sehr genau dem natürlichen Maximum am Nord rand der alpinen Steinadlerpopulation. Dies führt unter anderem dazu, dass dem Monito ring des Steinadlers in Bayern eine besondere Rolle zufällt, nämlich bei der »Früherkennung« von möglichen negativen Entwicklungen der alpenweiten Population. Letztendlich kommt der Nationalpark in diesem Zusammenhang ei ner wichtigen Verantwortung beim Monitoring potenziell gefährdeter Natura 2.000 Arten nach. Der Bruterfolg im Untersuchungsgebiet der Nationalparkverwaltung schwankt erheblich. Und nicht nur das: Auch die Revierpaare selbst brüten sehr unterschiedlich erfolgreich. Als zuverlässigster und erfolgreichster Brüter hat sich das Steinadlerpaar im Wimbachtal mit 16 flüggen Jungvögeln in 25 Beobachtungsjahren hervor getan. 15

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